Entry Standard Unternehmen mit Kommunikationsproblemen
Umfrage: Viele Unternehmen erwägen nachträgliche Prospekterstellung
Köln/Frankfurt, 18. April 2006 - Zwei Drittel der Unternehmen des Entry Standard, die eine Aufnahme in das neue Segment ohne Wertpapierprospekt durchgeführt haben, planen oder erwägen die nachträgliche Erstellung eines solchen Dokuments. Das ergab eine im Februar 2006 durchgeführte, repräsentative Erhebung der Sozietät Heuking Kühn Lüer Wojtek und der auf Kapitalmarktkommunikation spezialisierten Beratungsgesellschaft IR.on AG unter den Vorständen der 24 zu diesem Zeitpunkt im Entry Standard notierten Gesellschaften. Die Gründe für diese Entscheidung liegen vor allem in der rechtlichen Unsicherheit und den damit verbundenen Haftungsrisiken für den Fall, dass Investor Relations Maßnahmen der Unternehmen als Öffentliches Angebot qualifiziert werden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte zum Beginn des neuen Teilbereichs des Open Market (ehemals Freiverkehr) faktische Einschränkungen für die Kapitalmarktkommunikation der Unternehmen ohne Wertpapierprospekt begründet, deren Anwendung auch unter Juristen umstritten ist.
Die Ergebnisse der Erhebung zeigen, dass sich, wie inzwischen bei den meisten emissionsbegleitenden Bankhäusern, auch unter den Vorständen der im Entry Standard gelisteten Unternehmen die Erkenntnis durchsetzt, dass ein Listing ohne Wertpapierprospekt die anschließende Investor Relations Arbeit stark beeinträchtigt.
Dennoch bewertet der Großteil der Vorstände der Entry Standard Unternehmen die regulativen Rahmenbedingungen des neuen Segments als Ganzes betrachtet positiv oder neutral. Lediglich 12% der Befragten werteten die geltenden Vorschriften als negativ, da ihnen die Transparenzpflichten nicht weit genug gehen. So überrascht es nicht, dass vier Unternehmen den EntryStandard explizit als Durchlaufstation zu den EU-regulierten Segmenten General und Prime Standard betrachten.
Hauptanreize für die Aufnahme der Aktien in den Entry Standard waren die Erhöhung der Aufmerksamkeit in der Financial Community sowie die im Vergleich zu anderen Transparenzstandards geringe Zulassungsvoraussetzungen und Folgepflichten, die sich selbstverständlich auch in den Kosten des Listings widerspiegeln. Doch offenbart die Umfrage hier große Unterschiede. So wurden die Prospektkosten von einigen Vorständen mit weniger als 100.000 EUR, von anderen aber mit mehr als 200.000 EUR beziffert. Bei den Gesamtkosten des Börsengangs ergab die Umfrage, unabhängig ob Privatplatzierung oder Öffentliches Angebot, eine Bandbreite von unter 500.000 EUR bis zu mehr als 1 Mio. EUR.
Ein differenziertes Bild zeichnet die Befragung auch hinsichtlich der Veröffentlichung kursrelevanter Tatsachen, der sogenannten „Quasi-Ad hoc-Meldungen". Bei der Frage, wie schnell solche Neuigkeiten veröffentlicht werden, variieren die Antworten der Vorstände von „unverzüglich" bis zu „innerhalb von drei Tagen", was nach den geltenden Regularien deutlich zu spät ist. Unter den Distributionskanälen nutzen die Befragten neben den bekannten elektronischen Börseninformationsdiensten eigene Investoren- und Presseverteiler sowie spezialisierte Informationsportale wie www.entrystandard.info.
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