Die Karten auf dem Kapitalmarkt werden neu gemischt
Was Socially Responsible Investment (SRI) anbelangt, hat Deutschland im europäischen Vergleich noch enormes Nachholpotenzial. Doch dürften Kenntnisse aus dem betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagement auch für den deutschen Investor Relations Manager schon bald unabdingbar sein, um im Wettbewerb um Eigenkapital langfristig bestehen zu können.
Socially Responsible Investment Kapital fo(e)rdert neues Denken
Der Investor Relations Manager als Schnittstelle des Unternehmens zum Kapitalmarkt zeichnet sich durch Zahlenverständnis, Kommunikationstalent und eine gute innerbetriebliche Vernetzung aus. Dieses anspruchsvolle Jobprofil wird sich in Zukunft noch erweitern. Für die Investor Relations Arbeit, sei es im DAX-Unternehmen oder beim börsennotierten Mittelständler, werden künftig verstärkt ökonomisch-ökologisch-soziale Multifunktionstalente gesucht. Zusatzqualifikationen aus dem Bereich des betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagements werden unabdingbar sein, um sich im Dialog mit einer neu formierten Investorengruppe bewähren zu können.
Auf dem Weg aus der Nische
Socially Responsible Investment (SRI) hat in den vergangenen Jahren auf dem Weg aus der Nische zum allgemein anerkannten Investmentgrundsatz ein gutes Stück zurückgelegt und wichtige Meilensteine passiert. Die in dieser Zeit hinzu gekommenen gesetzlichen Transparenz-Anforderungen an Pensionsfonds hinsichtlich der Einbeziehung sozialer, ethischer und ökologischer Aspekte in ihre Investmentanalyse beschleunigen das Wachstum von SRI. Hinzu kommen Untersuchungen, die Unternehmen mit starken ökologischen, sozialen und Governance Kriterien (ESG) bessere Wachstumsperspektiven zuschreiben. Diese Entwicklung ist auch durch das steigende Interesse der Sell Side an ESG-Faktoren belegt.
Deutscher SRI-Markt bietet hohes Potenzial
Basierend auf Daten des ‚European Social Investment Forum' (Eurosif) repräsentieren die in Deutschland nach klassischen SRI-Kriterien verwalteten Assets nur 0,3% des insgesamt von deutschen Investmentgesellschaften gemanagten Vermögens. Im Vergleich zu den Niederlanden mit 4,3% und Belgien mit rund 4% Anteil der SRI-Assets an den Gesamtinvestitionen wird deutlich, dass Deutschland hohes Nachholpotenzial hat. So überrascht es nicht, dass das Thema Nachhaltigkeit mittlerweile auf dem besten Weg ist, auch den deutschen Kapitalmarkt zu erobern. Laut einer im Mai 2007 im Handelsblatt veröffentlichten Umfrage unter deutschen, österreichischen und Schweizer Fondsmanagern spielt Nachhaltigkeit bei Anlageentscheidungen eine zunehmend wichtige Rolle. Fast 90 Prozent der Teilnehmer sagten, nachhaltiges Wirtschaften bewirke ein günstigeres Chance-Risiko-Verhältnis für ihre Investition.
Unternehmen im Wettbewerb um SRI-Eigenkapital
Mit zunehmender Präsenz von SRI-Kapital im Markt wächst auch der Wettbewerb um die Gunst der SRI-Investoren. Gleichzeitig steigt der Druck für die Unternehmen, sich auch unter ESG-Gesichtspunkten für Ihre Geschäftstätigkeit öffentlich zu verantworten. Die Unternehmen reagieren auf diese Herausforderungen mit dem Aufbau eines betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagements und einer entsprechend ausgerichteten Nachhaltigkeitskommunikation einschließlich des SRI-Investor Targetings. Investor Relations wandelt sich somit zunehmend zu Socially Responsible Investor Relations.
Innovative Small Caps im Blickpunkt
In Deutschland veröffentlichen derzeit insbesondere große börsennotierte Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte. Jedoch wächst das Interesse von SRI-Portfoliomanagern auch an fundierten Nachhaltigkeitsberichten innovativer Small Caps, weil Fondsgesellschaften in diesem Bereich besondere Chancen sehen.
Mit welcher Dynamik sich der SRI-Sektor weiter entwickeln wird, sei dahin gestellt. Fakt ist, dass das Tätigkeitsfeld eines Investor Relations Managers auf kurz oder lang um eine weitere Aufgabe ergänzt werden wird: Er muss die Integration der sozialen, ethischen und ökologischen Aspekte in die Finanzkommunikation voran treiben, um über das tatsächliche Bild eines ganzheitlichen, transparenten und verantwortungsvoll gesteuerten Unternehmens mit den entsprechenden Zielgruppen in den Dialog treten zu können.
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