Feindliche Übernahme? – Jedes zweite Unternehmen fühlt sich sicher
Deutsche Standardwerte rechnen kaum mit dem Ernstfall
14. März 2002 - „Unser Unternehmen kommt als potentieller Übernahmekandidat nicht in Frage." Nahezu die Hälfte der DAX 100- und der großen SMAX-Gesellschaften kommen bei einer Umfrage der Unternehmensberatung IR.on AG zum Thema „Kommunikation bei feindlichen Übernahmen" zu dem Schluß, sie seien nicht gefährdet. Und das, obwohl mehr als 50 Prozent der Befragten mit einer wachsenden Zahl an feindlichen Übernahmeangeboten für deutsche Unternehmen in den nächsten zwei Jahren rechnen.
Die in Zusammenarbeit mit dem SOKO Institut für Sozialforschung und Kommunikation durchgeführte repräsentative Umfrage gibt Aufschluß darüber, wie gut Kommunikationsstrategen der Unternehmen des DAX 30, MDAX und SMAX auf den Ernstfall vorbereitet sind. Kernzielgruppe der Untersuchung sind Gesellschaften mit einem Streubesitz von mehr als 50 Prozent, nach vorherrschender Meinung ein Kriterium für potentielle Übernahmekandidaten.
Ausgerechnet die Unternehmen des MDAX und SMAX, die angesichts des aktuell niedrigen Bewertungsniveaus ins Visier eines Erwerbers geraten könnten, betrachten sich kaum als potentielle Opfer. Ganz anders im DAX 30, wo 73 Prozent der Befragten immerhin eine geringe, 9 Prozent sogar eine akute Übernahmegefahr wahrnehmen.
Wie die Studie zeigt, verfügen nur 45 Prozent der Unternehmen über Notfallkonzepte, die im Falle eines unerwarteten Übernahmeangebots nahezu die einzige Möglichkeit sind, den per se vorhandenen zeitlichen Nachteil der Zielgesellschaft zu egalisieren. Gleichwohl sind 81 Prozent von der Wirksamkeit eines solchen „Masterplans" überzeugt. Als wichtigster Schutz vor Übernahmen gilt einhellig der laufende Kontakt zu institutionellen Investoren, die nach Meinung der IR-Verantwortlichen auch die bedeutendste Zielgruppe einer Abwehrkampagne darstellen.
Uneinigkeit herrscht bei den seit 1. Januar 2002 zulässigen Vorratsbeschlüssen, durch die der Vorstand außerordentliche Vollmachten für Abwehrmaßnahmen von der Hauptversammlung erhält. „Unsere Umfrage hat ergeben, daß besonders DAX-Unternehmen beabsichtigen, sich bestimmte Maßnahmen 'auf Vorrat' genehmigen zu lassen", erläutert Fabian Kirchmann, Vorstand der IR.on AG, deren Management-Team am Übernahmekampf zwischen Mannesmann und Vodafone mitwirkte. Kirchmann: „79 Prozent der befragten SMAX-Unternehmen wollen hingegen derzeit keine gesonderten Vollmachten einholen."
Die Studie (pdf-Format) kann unter info@ir-on.com angefordert werden.