Neues Freiverkehrssegment könnte Schub bei Börsengängen auslösen

Kapitalmarktexperten befürworten in einer Umfrage Pläne der Deutschen Börse

Frankfurt, 14. September 2005 – Die Einführung eines neuen Kapitalmarktsegments innerhalb des Freiverkehrs könnte die Zahl der Börsengänge in Deutschland deutlich erhöhen. Das ergab eine Blitzumfrage der auf Finanzkommunikation spezialisierten Beratungsgesellschaft IR.on AG unter 30 Kapitalmarktexperten. Befragt wurden neben Emissionsberatern, Investmentbankern und Rechtsexperten auch die Anlegerseite mit Vertretern von deutschen und ausländischen Private Equity Gesellschaften sowie institutionelle Investoren. Im Durchschnitt erwarten die Befragten 23 Neuemissionen innerhalb der ersten zwölf Monate nach dem Start der neuen Plattform. Eine ähnliche Entwicklung wie im Londoner Alternative Investment Market (AIM), wo allein in diesem Jahr bereits mehr als 200 IPOs stattfanden, schließen die Experten für Deutschland jedoch aus.

Die Deutsche Börse prüft nach übereinstimmenden Medienberichten derzeit die Einführung eines weniger regulierten Börsensegments auf Basis des bestehenden Freiverkehrs, um die Hürden für deutsche Mittelständler für den Gang an den Kapitalmarkt zu senken. Eine große Mehrheit der befragten Kapitalmarktexperten (87 Prozent) befürworten die Pläne der Börse.

Allerdings halten 60 Prozent der Umfrageteilnehmer die bisher kolportierten Transparenzanforderungen für zu niedrig. Besonders die Regeln zur Ad hoc-Publizität, die erst kürzlich verschärft worden sind, werten die Hälfte der Befragten als unerlässlich. Nach den bisher bekannt gewordenen Plänen sehen die Regeln des neuen Segments nur die Veröffentlichung „wesentlicher Nachrichten“ auf der Webseite des Unternehmens vor. Immerhin noch 47 Prozent fordern, entgegen den bisher vorgesehenen Regeln, einen vollwertigen Halbjahresbericht. Dabei sitzt das Misstrauen aufgrund der negativen Erfahrungen am Neuen Markt tief. 90 Prozent der Kapitalmarktexperten fürchten im Falle zu geringer Anforderungen erneut besondere Gefahren wie Missbrauch und Kursmanipulationen durch Marktteilnehmer.

„Die Einstellung vieler Marktteilnehmer ist eigentlich paradox. Einerseits wünschen sie sich eine neue, weniger regulierte Plattform mit geringen Folgepflichten und Kosten für die Unternehmen. Gleichzeitig fordern viele aber Publizitätsvorschriften, die über die Anforderungen des General Standard hinausgehen,“ sagt Achim Josten, Partner der IR.on AG.

Einig sind sich die Kapitalmarktexperten darüber, dass das neue Segment keine spekulative Spielwiese für die breite Masse der Privatanleger darstellt. Zielgruppe seien insbesondere spezialisierte Small- und Midcap Fonds sowie gut informierte, aktienaffine Privatanleger. Die großen deutschen und ausländischen Fondsgesellschaften werden, so die Mehrzahl der Experten, dagegen zurückhaltend agieren, da Investments im Freiverkehr vielfach nicht mit den Fondsrichtlinien vereinbar sind. 

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Kontakt:
Fabian Kirchmann
IR.on AG
Tel.: +49 221 914097-0
E-Mail: fabian.kirchmann@ir-on.com

IPO Watchlist

Das Umfeld für Neuemissionen in Deutschland ist derzeit schwierig. Die anhaltende Finanzkrise hat den IPO-Markt fast zum Erliegen gebracht. Die IR.on AG bietet mit freundlicher Unterstützung der GoingPublic Media AG eine regelmäßig aktualisierte Watchlist von Börsenkandidaten. Die Informationen basieren auf Unternehmensangaben, Medienberichten und informellen Angaben aus der Financial Community.

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Quelle: Datenbank ZEPHYR BvD

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