Viele Möglichkeiten der Investor Relations bleiben ungenutzt
IR-Professionalisierung nach angelsächsischem Vorbild lässt in Deutschland auf sich warten
Der Sektor Investor Relations birgt in Deutschland noch großes Entwicklungspotenzial. Laut einer Umfrage der Marktforschungsgesellschaft rc research & consulting GmbH im Auftrag der Kommunikationsberatung IR.on AG zur „Kooperation von Unternehmen und Dienstleistern im Bereich Investor Relations" nehmen ein Großteil der im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notierten Gesellschaften entscheidende Aufgaben für einen zielgruppengerechten Dialog überhaupt nicht wahr.
Die repräsentative Erhebung gibt Aufschluss darüber, welche IR-Disziplinen von den Prime Standard Unternehmen durchgeführt werden und inwieweit die Hilfe externer Dienstleister hierbei in Anspruch genommen wird. Befragt wurden 94 der rund 350 im Prime Standard notierten Gesellschaften.
Auch wenn sich Prime Standard Unternehmen wesentlich höheren Anforderungen als die des General Standards gegenüber sehen, werden häufig essentielle Aufgaben ignoriert. So führen 44 Prozent der Prime Standard Unternehmen keine Untersuchung zur Wahrnehmung ihrer Gesellschaft bei Share- und Stakeholdern durch und für mehr als ein Drittel der Unternehmen sind Aktionärsstrukturuntersuchungen kein Thema.
Spitzenreiter der „Fällt nicht an"-Aufgaben sind jedoch Abwehrpläne gegen feindliche Übernahmen. 53 Prozent der Prime Standard Unternehmen sehen keine Notwendigkeit zur Erstellung von Notfallkonzepten. Sie fühlen sich offensichtlich ungefährdet. Ein ähnliches Ergebnis hatte eine repräsentative Erhebung der IR.on AG zum Thema „Mergers & Acquisitions" unter den DAX, MDAX und SMAX-Gesellschaften bereits im März 2002 ergeben.
Wie die Erhebung weiter zeigt, arbeitet nahezu die Hälfte der Prime Standard Unternehmen bisher nicht mit externen IR-Kommunikationsspezialisten zusammen. 47 Prozent des Investor Relations Aufkommens erledigen die IR-Manager auf Unternehmensseite in Eigenregie, komplett „outgesourct" werden lediglich 9 Prozent. Wird zusätzlich in Betracht gezogen, dass bei der Hälfte der IR-Abteilungen von Prime Standard Gesellschaften nur ein Mitarbeiter für Investor Relations verantwortlich ist und nahezu drei Viertel aller IR-Manager neben Investor Relations noch weitere Aufgaben - vorherrschend Public Relations - wahrnehmen, liegt es auf der Hand, dass viele Möglichkeiten ungenutzt bleiben.
„Potenzial zur Differenzierung im Kapitalmarktwettbewerb gibt es reichlich. Solche Unternehmen, die den Aufwand nicht scheuen, es richtig zu nutzen, sichern sich Vorteile und ernten den Return on Investment in Form einer nachhaltigen Wertsteigerung", sagt Fabian Kirchmann, Vorstand der IR.on AG.